Eine Weihnachtsgeschichte

 

Wir leben in einer Zeit, die schneller, lauter und absurder nicht sein könnte. Gleichzeitig haben wir selbst den Schlüssel zu mehr Ruhe, Frieden und Zugewandtheit im Gepäck. Dass uns dieser Schlüssel abhanden kommen kann bei all den Dingen, die wir ansonsten mit uns herum schleppen ist mir gestern bei einer Begegnung an der Supermarktkasse bewusst geworden.

Ich hatte gerade meine wenigen Einkaufe auf das Band gelegt, als mir in der Schlange vor mir ein skurril anmutendes Pärchen auffiel: eine ältere Dame im Rollstuhl in Begleitung eines etwa 50jährigen Mannes -vielleicht ihr Sohn. Der Mann trug eine Brille und sah auch ansonsten recht „normal“ aus, fiel aber durch sein Verhalten aus der Reihe. Er lachte viel und laut, scheinbar ohne Grund und packte in atemberaubender Langsamkeit, einer unsichtbaren Systematik folgend die Einkäufe auf das Fließband. Hinter mir bildete sich eine Schlange und ich begann bereits meine Lebensmittel wieder vom Band zu nehmen, um mich an der Nebenkasse anzustellen. Zwar hatte ich es nicht eilig, ertappte mich jedoch bei dem Gedanken „Brauch ich das jetzt? Das dauert hier wohl noch.“

In dem Moment hörte ich die unfreundiche, fast schon schrille Stimme der Kassiererin, einer jungen Frau von Anfang zwanzig: „Ich räum Ihnen das nicht ein! Sie räumen hier aus und Sie räumen auch wieder ein!“

Ich schaute entsetzt zu ihr, dann zu dem Mann, der sich davon erstaunlicherweise nicht beeindrucken ließ, sondern in seiner kindlichen Freude einfach seelenruhig weiter Waren auf das Band legte. Die ältere Dame im Rollstuhl half so gut sie konnte, indem sie mit großer Sanftmut und Geduld Anweisungen gab, um den Mann -offenbar geistig behindert (ich benutze bewusst diesen Begriff, auch wenn er nicht meiner Haltung entspricht)- zu unterstützen.

Der Einkaufskorb stand am Ende der Kasse, noch leer, dadurch blieb der Kassiererin kein Platz, um gescannte Waren abzulegen. Es wäre ein Leichtes gewesen, sie einfach in den Korb zu legen, sie jedoch blieb dabei und saß mit verschränkten Armen hinter Ihrer Kasse.

Da traf mich eine Entscheidung: Blitzschnell bezahlte ich an der Nebenkasse, stellte meinen Einkauf ab und fragte das ungleiche Paar: „Brauchen Sie Hilfe?“

Als Antwort erhielt ich einen tief dankbaren Blick der alten Dame und ein strahlendes und glockenhelles Lachen des Mannes. Tasche um Tasche luden wir so gemeinsam Dinge auf das Band und wieder hinunter, einiges kam in eine Kühlbox, anderes einfach in mitgebrachte Körbe. Die beiden machten offenbar ihren Weihnachts- oder Wocheneinkauf! Es war witzig und machte ungeheuer Spaß, denn der Mann folgte auch beim Einräumen einer mir unbekannten Ordnung: Brot zu Brot, Joghurt zu Joghurt und das alles in einer für ihn wichtigen Symmetrie.

Je länger wir dort räumten, umso mehr wurde ich von einer kindlichen Freude ergriffen! Ich half völlig unbekannten Menschen, die ziemlich verloren schienen und es machte mich glücklich!

So einfach ist das!

„Aber bezahlen müssen sie nun selbst“ zwinkerte ich der Dame zu. Sie bedankte sich ihrerseits mit einem Blick, in dem ich Freude, aber auch eine große, müde Traurigkeit las.

Der Mann wiederum tätschelte mir -wie einem alten Kumpel- die Schulter, wortlos und strahlend.

 

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich für ein erfahrungs- und ereignisreiches Jahr 2019 bedanken!

Danke für das Vertrauen all der lieben Menschen mit denen ich ein Stück des Weges gehen durfte und vor allem ein Dank an die Hunde für ihre Echtheit und ihre gelebte Verbundenheit!

Mit besten Wünschen für eine segensreiche Weihnacht und ein glückliches neues Jahr 2020!

 

 

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Eva Rygusiak (Dipl.Päd.)

Systemisches Coaching für Mensch und Hund

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